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Szene nach einem Kampf: "Oh, schau mal! Ich glaube dein Säbel ist krumm"

-SCHWEIGEN-

 

Schwerter waren unbezahlbar

Immer wieder kann man vernehmen, daß ein einziges Schwert den Wert eines ganzen Bauernhofes aufwog und nur von den Reichen und Mächtigen getragen wurde, da der Rest der Bevölkerung einfach zu armselig war, um sich eine solche Klinge leisten zu können. Es gibt durchaus Quellen, in denen dies so geschrieben steht, und das könnte durchaus stimmen, wenn ein Schwert besonders aufwendig hergestellt und mit Edelmetallen und Edelsteinen verziert wurde. Aber ein einfaches Schwert aus Stahl kann wohl kaum einen höheren Wert als einen ganzen Hof besitzen, denn zu einem Hof gehören Äxte, eiserne Alltagsgegenstände, mehrere Messer, ein Pflug, usw. Demnach könnte man aus dem gesammelten Eisengehalt eines mittelalterlichen Hofes mehrere Schwerter schmieden und diese gegen andere Höfe eintauschen. Oder vielleicht war die Entlohnung für den Schmied grausam teuer, wenn er ein Schwert herstellen sollte? Eventuell waren die Schmiede von damals die ersten Volkswirte und erfanden die frühe Form der Mischkalkulation. Eine Axt, Nägel, Beschläge, Messer, Hufeisen und Töpfe schmiedet man für den Selbstkostenpreis, und wenn einer ein Schwert bestellt macht man den großen Reibach, der alles ausgleicht.

Der Mythos ist erschreckend einfach zu erklären. Es ist möglich sich ein Auto für EUR 1.500,- zu kaufen, aber man sich durchaus auch ein Modell im Wert von EUR 500.000,- leisten. Man fand Schwerter von minderer Qualität, die in Kleinserien hergestellt wurden und welche, die wahre Kostbarkeiten darstellen. Ein Schwert inklusive Material und Arbeitskosten wird ein Bauer nur nicht gebraucht haben. Es gab genügend andere Gegenstände auf einem Hof, um wehrhaft zu sein und bestimmt genügend Dinge, die aus der Sicht eines Landwirtes würdiger waren, um angeschafft zu werden. Aber so ist es eben: Mythos befiehl, wir folgen dir...