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"Ich bin Thor! Spüre meine göttliche Macht!"

"Sag mal, spinnst Du?!? Warum wirfst Du mit dem Hammer nach mir?!?"

 

Die Waffen der Wikinger

Wenn man alle Bodenfunde und historische Quellen auswertet, bestand die „übliche“ Bewaffnung derer, die wir als Wikinger bezeichnen, aus Speer, Axt, Rundschild und Sax (Messertypus). Schwerter kamen wahrscheinlich nicht in übermäßig häufig vor, obwohl in Haithabu Kleinserien von Schwerter in einfacher Ausführung gefunden wurden. Es gab also eine Art Massenfertigung. Trotzdem waren Speere und Äxte die wohl dominierenden Waffen der Wikingerepoche.

Rundschild: Die Schilde der Wikinger hatten eine Größe von ca. 80-112cm Durchmesser und wurden aus gespaltenen Holzbohlen diverser Holzarten gebaut. Der Schild wurde an einem Griff (Fessel) geführt und besaß keine reiterschildtypische Riemenhalterungen für den Unterarm.
Axt: Es wurden alle möglichen Äxte mit unterschiedlichen Schaftlängen verwendet. In späteren Zeiten wurden die Hiebwaffen immer massiger, um der zunehmenden Zahl von gerüsteten Gegner zu begegnen.


Gambeson (wattierter Waffenrock): Die Wikinger im Norden hatten keine Gambesons. Die einzigen Funde dieser Art waren mit Roßhaar gefüttert und können den Rus zugeordnet werden. Allerdings gibt es eine schriftliche Quelle, in der das Tragen von vielen Leinenkleidungsstücken übereinander empfohlen wird.


Handschutz: Es wurden nie welche gefunden. Ja, ich weiß... Ihr werdet jetzt sagen: „Die waren doch nicht doof“ oder „Kann ich mir nicht vorstellen, daß sie das nicht hatten“. Leider bieten fast alle Griffe der gefundenen Schwerter gerade genug Platz für eine Hand. Zusätzliche Zentimeter für einen ledernen Handschutz gab es nicht. Sorry Leute. Die waren damals entweder sehr hart im Nehmen oder zu blöd etwas zu erfinden.


Speer: Zum Speer muß man nicht viel sagen. Wahrscheinlich wurde diese Waffe häufig geworfen. Ein Einsatz des Speeres als Stichwaffe in Kombination mit einem Rundschild hat sich bei Kämpfen und Duellen im Hardcoremodus als sehr ineffektiv erwiesen. Die lange Hebelwirkung der Waffe macht eine einhändige Benutzung fast unmöglich. Klar, irgendwo im tiefsten Russland gibt es einen Megawarrior, der das kann.


Beinschienen: Auch diese wurden im Norden nie ausgegraben. Daher tragen wir die Knieschützer unter der Gewandung. Die allseits bekannten Unterarm- und Beinschützer aus Flacheisen hat man wieder nur bei den Rus gefunden. Allerdings wird in einer Quelle aus Birka erwähnt, daß hölzerne Beinschienen als ärmlich galten. Daraus kann man schließen, daß Beinschützer Verwendung gefunden haben.


Helm: Der einzige Helm, den man eindeutig den Wikingern zuordnen kann, ist der „Gjermundbuhelm“, ein Brillenhelm in Spangenbauweise mit einer Kettenbrünne. Beschreibungen von Holmgängen und den Abbildungen auf Runensteinen nach, wurden sie häufig verwendet.


Schwert: Kann man nehmen, ist aber eine Noobwaffe und irgendwie uncool. Äxte rocken mehr.


Das übliche Bild auf einem Wikingermarkt, auf dem man gambesontragende Wochenendkrieger mit 70cm großen Schilden beobachten kann, die alle mit Schwertern bewaffnet sind, ist aus historischer Sicht eine Katastrophe und gleicht einer Larpcon, wo Elfen in Vietnamuniformen mit schweren Boltern herumlaufen und klingonisch sprechen. Ein großes und damit schweres Rundschild in Kombination mit einer Axt zu führen, bedarf viel Training und körperlicher Fitness. Deswegen greifen viele Modewikinger gerne zu Minischilden und Schwertern, weil beides ohne nennenswerte Fertigkeiten benutzt werden können.