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Was ist (ein) Holmgang?

Zunächst einmal die historische Definition: Ein Holmgang war im germanischen Kulturkreis eine übliche Lösung für Streitigkeiten. Jedenfalls wenn man der Meinung war, den Konflikt mit einem Zweikampf lösen zu können. Übersetzt bedeutet Holmgang soviel, wie „der Gang auf die Insel“, denn oft wählte man eine kleine Insel als Austragungsort, aber auch abgesteckte Areale wurden als Duellplatz genutzt. Die Regeln waren regional sehr unterschiedlich, aber aus den verbliebenden Informationsquellen geht hervor, daß meist bis zum „ersten Blut“ gekämpft und der Tod eines der Kontrahenten nur selten gefordert wurde. Ein gerichtlicher Zweikampf bis zum Äußersten wird im germanischen Kulturkreis Einvigi genannt. Heutzutage versteht man unter Holmgang den Rekonstruktionsversuch des frühmittelalterlichen Kriegshandwerkes, der Militärgeschichte und Vollkontaktkampfsport vereint.

 

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Der Holmgangtest

Schwertkampfschulen, historische Fechtvereine und Schwertmeister gibt es unzählige auf der Welt. Leider sind sie alle komplett unfähig und lehren nur Esoterikgefuchtel, denn niemand von denen ist bereit sich einem Holmgangtest zu stellen. Die Test funktioniert folgendermaßen: Sie nehmen sich eine Waffe ihrer Wahl, sei es eine schwere Axt, ein angeschliffenes Schwert oder ein Streitkolben mit Stacheln. Dann prügeln hemmungslos auf unsere Instruktoren ein, bis ihnen der Schwertarm lahm wird. Wir hingegen parieren und blocken ihre Angriffe nur, ohne selber zu attackieren. Sie dürfen stechen, treten, dreckige Tricks anwenden und in den Bodenkampf wechseln. Nichts ist verboten. Wenn sie es nach einigen Minuten nicht geschafft haben auch nur einen einzigen Wirkungstreffer anzubringen, haben wir unsere Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Jeder Schwertkampflehrer, der ihnen diesen Test verweigert ist unfähig und ein Scharlatan, denn seine Kunst ist in einer echten Kampfsituation nicht anwendbar.

 

Das mag für sie wie ein Märchen klingen, aber wer uns jemals auf einem Mittelaltermarkt erlebt hat, kann davon berichten, daß wir den ganzen Tag lang nichts anderes tun, als den Marktgästen diesen Test anzubieten. Je aggressiver die Probanten sind und je mehr Kampfsporterfahrung sie mitbringen, desto spannender und aussagekräftiger wird dieses Experiment. Es ist ein großer Spaß für die Gäste, die mal ungehemmt und mit voller Kraft richtig loslegen und alles ausprobieren können, ohne selber ein Risiko einzugehen. Zudem kann man erlernte Kampftechniken auf ihre Wirksamkeit prüfen (Man staune: 99% aller Techniken aus den historischen Fechtbüchern haben sich als unpraktikabel erwiesen). Für uns ist es ein Beweis für unsere Fähigkeiten und eine Möglichkeit, um den eigenen Leistungsstand zu abzuschätzen. Natürlich stellen wir ihnen die komplette Schutzausrüstung inklusive einem massiven Helm mit Stichschutz für die Augen zur Verfügung. Ihnen wird also auf gar keinen Fall etwas passieren.

Wir haben diesen Test erfunden, damit sie mit eigener Hand testen können, ob wir nur Quacksalbern oder wirklich Ahnung haben, denn erzählen kann man bekanntlich viel. Der Holmgangtest ist der ultimative Beweis, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Wenn ihnen eine Schwertkampfschule diesen Test verweigert, können sie sicher sein, daß es sich um nur Schwertballett und Herumpimmelei handelt.

Halten sie das für gefährlich? Da müssen wir ihnen zustimmen. Allerdings bleibt das Verletzungsrisiko auf unserer Seite, und wenn sie mal ehrlich sind, dann wollen sie das Kriegshandwerk von Leuten unseres Schlages lernen. Sie wollen nicht in einem Flugzeug sitzen, dessen Pilot bisher nur im Simulator gesessen hat.

 

 

 

Trainingsablauf

Sie bestimmen selbst, wie weit sie gehen und was sie lernen wollen. Der reguläre Unterricht wird durch eine Art Workshop ersetzt. Je nach Laune und Tagesform können sie mit allen Arten von Schwertern, Äxten, Speeren, Wurfwaffen und Schilden üben, die Techniken der Waffen kennenlernen oder einfach nur zuschauen und gesellig an der Tafelrunde teilnehmen. Für den Anfang stellen wir ihnen natürlich die gesamte Ausrüstung kostenlos zur Verfügung. Außerdem brauchen sie keinem Verein beizutreten. Es gibt keine Prüfungen, die mit Urkunden belohnt werden, keine Ränge mit den dazugehörigen Abzeichen und keine Verpflichtung regelmäßig zu erscheinen. Die einzigen Voraussetzungen sind geschichtliches Interesse (Vorkenntnisse nicht erforderlich) und einen Hang für schlechten Humor.

 

 

Medieval Fight Club

Einige wenige beschließen in der Königsklasse zu kämpfen, und dort hat Holmgang etwas ganz Besonderes zu bieten. Um das frühmittelalterliche Kriegshandwerk möglichst realitätsnah erleben und rekonstruieren zu können, treffen sich einige Kämpfer im Fight-Club, wo sie mit aller Härte und ohne störende Reglements kämpfen, bis einer aufgibt, in eine Situation gerät, in der er unter realistischen Bedingungen getötet worden wäre oder den Kampf nicht mehr fortführen kann. Alles ist erlaubt. Stiche, Tritte, Wurfwaffen, Äxte, Schildschläge, Bodenkampf und dreckige Tricks sind ausdrücklich erwünscht. Es gibt keine Regeln, keine Punkte, keine Rundenzeiten und keinen Schiedsrichter. Es gibt keinen Sieger und keinen Verlierer, sondern nur Kämpfer, die etwas durchleben, was dem Durchschnittsbürgerlichen auf ewig fremd bleiben wird. In dieser Runde der Gleichgesinnten bringt jeder eine gewisse Einstellung und Charaktereigenschaften mit, die dafür sorgen, daß man trotz aller Härte und dem Fehlen niedergeschriebener Regeln seinem Gegenüber blind vertrauen kann.

 

 

 

Worauf warten Sie noch?

Hat sie die Neugier gepackt, und haben sie Lust endlich mal richtig zu kämpfen, ohne vorher 1.000 vordefinierte Schrittfolgen, Grundstellungen und festgelegte Übungen mit statischen Gegner durchzuexerzieren und ohne jemals das tun zu dürfen, was ihnen naheliegend und logisch erscheint? Dann zu den Waffen! Die Arena wartet.

 

Und nicht vergessen: Krieg ist die Hölle, aber der Sound ist geil!